Studie zeigt: Fleischsteuer könnte jedes Jahr über 220.000 Menschen das Leben retten

In den Industrienationen essen die Menschen deutlich mehr Fleisch, als es von nationalen und internationalen Ernährungsorganisationen empfohlen wird. Allein in Deutschland ist der Konsum von Fleisch mit 60 kg pro Jahr und Person doppelt so hoch, wie es die DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) rät.

Das bleibt nicht ohne Folgen, denn ein hoher Fleischkonsum, insbesondere der Verzehr von roten und verarbeiteten Fleisch, erhöht das Risiko für koronare Herzerkrankungen, Schlaganfälle, bestimmte Krebsarten und Typ-2-Diabetes.

Neben einer individuellen Ernährungsumstellung ist es aber vor allem die Politik, die endlich Verantwortung übernehmen und die Weichen für eine pflanzenbasierte Ernährung stellen muss. Aber wie? Wovon liberale und wirtschaftsnahe Parteien panische Schnappatmung bekommen, haben nun Wissenschaftler*innen der Oxford University untersucht: die Einführung einer Fleischsteuer.

Die Studie zeigt, dass eine zusätzliche Gesundheitssteuer auf rotes und verarbeitetes Fleisch jedes Jahr mehr als 220.000 Todesfälle verhindern und über 40 Milliarden US-Dollar an Gesundheitskosten einsparen könnte. „Was wir essen, beeinflusst in hohem Maße unsere persönliche Gesundheit und die globale Umwelt“, sagt Dr. Marco Springmann, Leiter der Studie. „Unausgewogene Ernährungsstile, wie z.B. eine Ernährung mit einem niedrigen Anteil an Obst und Gemüse und einem hohen Anteil an rotem und verarbeitetem Fleisch, sind für die größte gesundheitliche Belastung weltweit verantwortlich. Gleichzeitig ist das Ernährungssystem auch für mehr als ein Viertel aller Treibhausgasemissionen verantwortlich und damit ein wichtiger Treiber des Klimawandels.“

Das Forscher*innen-Team hat für 149 Regionen der Welt Steuersätze berechnet, die dazu führen würden, dass der Konsum von rotem und verarbeiteten Fleisch zurückgeht. Die Steuersätze variieren je nach Einkommen in den verschiedenen Ländern, so würde auf Deutschland beispielsweise eine Fleischsteuer von rund 166 % auf verarbeitetes Fleisch und rund 28 % auf rotes Fleisch erhoben werden. Im weltweiten Durchschnitt sind es rund 25 % auf verarbeitetes Fleisch und 4 % auf rotes Fleisch.

„Ich hoffe, dass die Regierungen die Einführung einer Gesundheitsabgabe auf rotes und verarbeitetes Fleisch als Teil einer Reihe von Maßnahmen in Betracht ziehen werden, um den Verbraucher*innen eine gesunde und nachhaltige Entscheidungsfindung zu erleichtern. Eine Steuer auf rotes und verarbeitetes Fleisch würde die Wahlmöglichkeiten nicht einschränken, sondern ein starkes Signal an die Verbraucher senden und unsere Gesundheitssysteme entlasten“, so Dr. Springmann weiter.

Ob man nun eine Fleischsteuer befürwortet oder nicht, die Daten zeigen eindrucksvoll, welche Auswirkungen der hoher Fleischkonsum hat und wie dringend politische Maßnahmen benötigt werden.

Quellen:

Springmann, M., D. Mason-D’Croz, S. Robinson, et al. (2018): Health-motivated taxes on red and processed meat: A modelling study on optimal tax levels and associated health impacts. PLoS One. 13

University of Oxford (2018): Optimum “health tax” for meat calculated, online unter https://www.oxfordmartin.ox.ac.uk/news/health-meat-tax [28.11.2018]

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