Welternährung mit Öko-Landbau – die Frage ist nicht ob sondern wann

Bio ist mehr als nur das Dinkelbrot für Besserverdienende. Mit kleinbäuerlichen Öko-Landbau könnte die Welt nachhaltig, gerecht und sicher ernährt werden. Kritik kommt nur von denen, die ein Interesse am Erhalt ihrer Macht innerhalb eines ausbeuterischen Systems haben.

Der indische Bundesstaat Sikkim hat das eingeführt, wovon wir in Deutschland aktuell nur träumen können: 100 Prozent ökologische Landwirtschaft. Seit 2016 werden alle landwirtschaftlichen Flächen ohne chemisch-synthetische Pestizide und Kunstdünger bewirtschaftet. Bodenfruchtbarkeit, Erhalt der Artenvielfalt und das Schonen von Ressourcen sind damit fester Bestandteil des landwirtschaftlichen Konzepts. Und es funktioniert.

Die Verwendung von Mischkulturen erschwert die Massenausbreitung von Schädlingen und Krankheiten. Dieses Problem stellt sich insbesondere bei Monokulturen, die beim konventionellen Anbau zum Einsatz kommen. Der Ertrag der Kleinbäuerinnen und -bauern ermöglicht eine Selbstversorgung sowie den Handel auf dem lokalen Markt. Zudem entfällt die gesundheitliche Belastung der Arbeiter*innen und Anwohner*innen durch Pestizide und Kunstdünger. [1]

Das wirft die Frage auf, ob der Öko-Landbau nicht auch flächendeckend für andere Länder, oder sogar weltweit verpflichtend eingeführt werden könnte. Die Agrarindustrie behauptet immer wieder, dass die Welternährung damit nicht möglich sei. Sie beansprucht das Thema Ernährungssicherheit für sich und betont, dass der Öko-Landbau nicht genügend Erträge bringt, um bis zum Jahr 2050 neun Milliarden Menschen zu ernähren. Ausreichende und bezahlbare Nahrung könne nur der konventionelle Landbau gewährleisten.

Ist Bio also nur das Dinkelbrot für Besserverdienende? Nein. Die Förderung einer kleinbäuerlichen, nachhaltigen Öko-Landwirtschaft hat das Potenzial die Ernährungssicherheit zu verbessern, Armut zu reduzieren und die Folgen des Klimawandels zu mindern. Das bestätigen zahlreiche Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen und das zeigt auch das Beispiel aus Sikkim. Der Zugang zu den nötigen Produktionsmitteln wie Land, Saatgut und Wasser wird den Kleinbäuerinnen und Kleinbauern aber verwehrt und liegt in den Händen einiger weniger Unternehmen, die ein Interesse an ihrer Machterhaltung haben. [2]

Das aktuelle Vorgehen der Agrarindustrie hat nicht optimale Flächenerträge, gesunde Böden und selbstorganisierte Kleinbäuerinnen und Kleinbauern zum Ziel, sondern allein die eigene Ertragssteigerung und Gewinnmaximierung. Die Aktionäre müssen schließlich zufrieden gestellt werden. Man schmückt sich gern mit einzelnen Hilfs- und Nachhaltigkeitsprojekten, achtet aber stets darauf, dass gewisse Abhängigkeiten bestehen bleiben. Daher macht es auch Sinn, in der Debatte nicht von dem eher technischen Begriff der „Ernährungssicherheit“ (food security), welcher von der FAO geprägt wurde, zu sprechen, sondern von „Ernährungssouveränität“.

Das Konzept der Ernährungssouveränität wurde von La Via Campesina, einem internationalen Bündnis von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern sowie der Landarbeiter*innen und Frauenbewegung, entwickelt. Ernährungssouveränität will die Rechte der Kleinproduzent*innen stärken und setzt sich dafür ein, dass Nahrung vorwiegend regional produziert und vermarktet wird, anstatt für den Export in andere Länder. Der bisherigen wirtschaftsliberalen Vorgehensweise, die vor allem auf die Förderung von Exporten, Gentechnik und den Abbau von Handelsschranken setzt, wird damit ein Gegenkonzept vorgelegt. (siehe dazu auch das Video weiter unten)

„Ernährungssouveränität fragt nach den Machtverhältnissen, in die unser Lebensmittelsystem eingebettet ist, sie fragt nach den Bedingungen der Produktion und Verteilung, sie kümmert sich um die Auswirkungen unserer Produktionsmethoden auf zukünftige Generationen und sie stellt die Menschen, die Lebensmittel produzieren und konsumieren, in den Mittelpunkt“, schreiben lIrmi Salzer und Julianna Fehlinger von Via Campesina Austria und der agrarpolitischen Gruppe AgrarAttac [3].

Die Umsetzung des Konzepts der Ernährungssouveränität erfordert ein gesellschaftliches Umdenken und das Hinterfragen des Status quo. Dazu kann jeder*r von uns beitragen. Wer ökologisch und regional produzierte Lebensmittel bevorzugt und genmanipulierte Lebensmittel ablehnt, leistet bereits einen wichtigen Beitrag. Außerdem muss der Konsum tierischer Produkte drastisch reduziert werden, da der aktuelle hohe Konsum der Industrienationen nicht mit einem flächendeckenden Öko-Landbau vereinbar ist. Zu guter Letzt können und sollten natürlich auch die Initiativen, die sich für Öko-Landbau und Ernährungssouveränität einsetzen, unterstützt werden. Das können Geldspenden sein, das kann aber auch das Verteilen von Flyern und Broschüren sein oder das Organisieren eines Infotischs oder Themenabend in der eigenen Stadt. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten aktiv zu werden und das Konzept der Ernährungssouveränität bekannter zu machen. Die Frage ist deshalb nicht, ob kleinbäuerlicher Öko-Landbau die Welt ernähren kann, sondern wann endlich.

Weitere Informationen und Adressen:

Zukunftsstiftung Landwirtschaft 
INKOTA
Degrowth

DiB – Ernährungssouveränität from Raute Film on Vimeo.

Quellen

[1] https://www.zdf.de/nachrichten/heute/oekolandwirtschaft-im-himalaya-alles-bio-im-indischen-sikkim-100.html?fbclid=IwAR2QT7Zw_JhXi22UGjq3l2rxVIUpBxdfrDL6WJpgafjX0j91L1jsVdxR4-I [24.10.2018]
[2] https://www.oxfam.de/unsere-arbeit/themen/kleinbaeuerliche-landwirtschaft [24.10.2018]
[3] https://www.degrowth.info/wp-content/uploads/2016/06/DIB_Ernährungssouveränität.pdf [24.10.2018]

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