Die Zukunft von Milch ist pflanzlich – ProVeg präsentiert umfangreichen Report über Pflanzenmilch

Wenn du zu den Menschen gehörst die beim Wort “vegan” nicht sofort Schnappatmung bekommen und laut “Verzicht, unnatürlich und Bevormundung” schreien, dann zählst du vermutlich zu denen, die die aktuelle Entwicklung von pflanzlichen Alternativprodukten als große Bereicherung empfinden. Und du zählst glücklicherweise zu einer rasant wachsenden Mehrheit. Denn immer mehr Menschen bringen mit pflanzlichen Alternativen mehr Abwechslung auf ihren Speiseplan und konsumieren bewusst weniger tierische Produkte. Der ungeschlagene Spitzenreiter in diesem Marktsegment ist Pflanzenmilch. Bereits 54% der europäischen und amerikanischen Verbraucher*innen konsumieren regelmäßig Pflanzenmilch. In Lateinamerika sind es sogar 71%. 

Grund genug, dass wir uns bei ProVeg näher mit dem Phänomen Pflanzenmilch befassen wollten und dem “weißen Gold”, wie sie von der britischen Tageszeitung „The Guardian“ bezeichnet wird, einen umfassenden wissenschaftlichen Report gewidmet haben: Den Pflanzenmilch-Report. Auf über 50 Seiten untersucht dieser detaillierte Report die Rolle, die Pflanzenmilch für eine globale gesunde und nachhaltige Ernährung spielen kann, und zwar von den Produzierenden, über den Handel bis hin zu den Verbrauchenden.

Die amerikanische Ernährungsberaterin und Bestsellerautorin Brenda Davis, die für unseren Report das Vorwort geschrieben hat, verweist darauf, dass Kuhmilch für viele Menschen zum Alltag gehört. “Sie wird in Kaffee, im Müsli und als Zutat beim Kochen und Backen verwendet. Leider belastet der hohe Konsum tierischer Produkte, der vor allem in den westlichen Nationen zu verzeichnen ist, besonders stark die Umwelt. Führende internationale Organisationen wie die WHO (Weltgesundheitsorganisation), die FAO (Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen) und der IPCC (Weltklimarat) fordern daher einen globalen Wechsel zu mehr pflanzlichen Lebensmitteln”, so Davis. 

Die bisherige öffentliche Kritik richtete sich vor allem an das Lebensmittel Fleisch. Dabei ist auch Kuhmilch alles andere als umweltfreundlich. Rinder für die Fleischerzeugung und Kühe für die Milcherzeugung verursachen in etwa gleich viele Treibhausgase und weltweit sorgen die 20 größten Fleisch- und Milchunternehmen zusammen für mehr Treibhausgasemissionen als ganz Deutschland. Im direkten Vergleich zu Pflanzenmilch (Soja, Hafer, Mandel und Reis) zeigt sich, dass Kuhmilch die größten Umweltauswirkungen in allen Bereichen hat: Für einen Liter Kuhmilch werden neun Quadratmeter Land sowie 628 Liter Wasser benötigt. Darüber hinaus verursacht Kuhmilch Emissionen von 3,2 kg CO2äq pro Liter.


Die Pflanzenmilchsorten selbst variieren untereinander ebenfalls in ihren Umweltauswirkungen. Während Mandelmilch die geringsten Treibhausgasemissionen verursacht, hat sie einen relativ hohen Wasserverbrauch. Reismilch hingegen hat den geringsten Landverbrauch, verursacht dafür jedoch die höchsten Treibhausgasemissionen im Vergleich zu den anderen Pflanzenmilchsorten. Soja- und Hafermilch sind generell die nachhaltigsten Sorten und verbrauchen mit 28 beziehungsweise 48 Litern Wasser pro Liter Produkt die geringste Wassermenge (siehe Grafik).

  

Bedenkt man außerdem, dass 75 % der erwachsenen Weltbevölkerung laktoseintolerant ist, scheint es fast absurd, dass in vielen nationalen Ernährungsrichtlinien Kuhmilch eine eigene Lebensmittelgruppe ist, die den Richtlinien zufolge täglich konsumiert werden sollte. Es gibt keine empirischen Belege, welche diese Empfehlung stützen würden. Alle in Kuhmilch enthaltenen Nährstoffe können mit geeigneten pflanzlichen Alternativen problemlos gedeckt werden. 

Aus diesem Grund hat zum Beispiel Kanada 2019 die Lebensmittelgruppe „Milch“ aus ihren aktualisierten Leitlinien gestrichen und stattdessen Kuhmilch in die Proteingruppe aufgenommen, in der auch angereicherte Sojamilch, Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen sowie andere tierische Produkte wie Fleisch und Fisch aufgeführt werden. Der tägliche Verzehr von Kuhmilch wird nicht länger empfohlen, sondern ein höherer Konsum pflanzlicher Proteine. Eine offizielle Erklärung der kanadischen Regierung lautet: „Die Leitlinien basieren auf den besten verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnissen. Sie fördern eine gesunde Ernährung und das allgemeine Wohlbefinden und unterstützen die Verbesserung der kanadischen Lebensmittelumgebung.“

Weltweit erwähnen bereits 23 Länder Pflanzenmilch als Alternative zur Kuhmilch in ihren nationalen Ernährungsrichtlinien. Wir sehen hier noch dringenden Nachholbedarf und empfehlen allen Ländern, Pflanzenmilch als Alternative zu Kuhmilch in ihre nationalen Ernährungsrichtlinien aufzunehmen. Denn neben der Informations- und Orientierungsfunktion für die Bürger*innen über gesunde Ernährung bilden die Richtlinien die Grundlage für die Ernährungs- und Agrarpolitik des jeweiligen Landes. Auch die FAO weist auf die wichtige gesellschaftspolitische Relevanz der Ernährungsrichtlinien hin und sieht sie als ein wirksames Instrument zur Förderung der Nachhaltigkeit im Bereich der Ernährung. Ernährungsrichtlinien sollten spezifische Empfehlungen für die Verbraucher*innen enthalten und Entscheidungen für nachhaltige Lebensmittel fördern.   

Dieser Report leistet einen wichtigen Beitrag, um mit Mythen Rund um das Thema Milch ein für alle Mal aufzuräumen und den klaren Beweis zu liefern: die Zukunft von Milch ist pflanzlich! 

Hinweis: Alle hier genannten Daten und Fakten stammen aus dem Pflanzenmilch-Report von ProVeg bei dem ich Projektleitung und Chefredaktion übernommen habe. Den gesamten Report inklusive Grafiken könnt ihr kostenlos unter folgendem Link herunterladen:

Pflanzenmilch-Report (deutsche Version)
Plant Milk Report (englische Version)

Auf der VeggieWorld in Köln (9.11.19) und in München (16.11.19) werde ich den Pflanzenmilch-Report vorstellen.

Literatur:
ProVeg e.V. (2019): Pflanzenmilch-Report. Berlin

Beitragsbild: Alberto Bogo

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